Der Tiger - Der Inhalt

Träume als Briefe von unserer Seele lesen, und wozu wir sie nutzen können.

 

Der Titel des Buches stammt aus einem Traum, der in diesem Buch erzählt und bearbeitet wird.

 Auszug aus dem Buch S. 47ff:

Immer wieder begegne ich im Traum einem Tiger. Meist ist er irgendwo in unserem Haus. Er fällt nicht weiter auf, außer, dass er eben ein Tiger ist und da nicht hin gehört. Eigentlich ist er eher unaufdringlich, allerdings erschrecke ich natürlich jedes mal wieder, wenn ich ihm begegne.

Im letzten Traum war es anders. Ich saß im Sofa, wohl um mich auszuruhen. Plötzlich spürte ich ein Kratzen auf meinem Rücken, es war nicht unangenehm. Ich wusste sofort, dass es der Tiger war, der da kratze. Als das Kratzen aufhörte, wusste ich, dass er sich hinter das Sofa gelegt hatte.

Nun möchte ich gerne wissen, was er da eigentlich will.“

In der Gruppe herrscht Ratlosigkeit. Alle kennen die Erzählerin als freundliche und zuvorkommende Frau, sie ist klein und zierlich und eher leise. Nichts weist auf den Tiger hin.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

Wir sammeln „Tigereigenschaften“:

-er ist stattlich; gefährlich für Mensch und Tier wenn er jagt, denn er ist entschlossen, schnell, kräftig, zielsicher;

-er ist Einzelgänger, wirkt gelassen und überlegen, er wird auch königlich genannt;

-er gehört zu den bedrohten Tierarten.

Die Erzählerin hört die Assoziationen, lässt sie in sich wirken. Plötzlich laufen ihr Tränen über das Gesicht. Sie erzählt, was sie erlebt hat:

„Ich habe diesen Tiger in mir gespürt, spüre ihn noch. Ich spüre seine Stärke, seine Entschlossenheit, seine Zielsicherheit, seine Energie und Autonomie. Was der will, das erreicht er. All das brauche ich im Augenblick! Und, … er ist bedroht!“

„Was sagen deine Tränen?“

„…ja, das ist seltsam, …es ist ein unbeschreiblich großes Glück, mich mit diesen Eigenschaften zu spüren. Es ist genau das, was ich in meiner Situation brauche. Und es rührt mich, wie beharrlich dieser mein Tigeranteil versucht hat, auf sich aufmerksam zu machen, -bis hin zum Kratzen. Er scheint geduldig hinter dem Sofa zu warten, bis ich mich etwas erholt habe um ihn dann endlich zu bemerken.“

„Wie ist das denn nun mit seinen gefährlichen Eigenschaften. Er ist ja nun mal ein Raubtier?“

„Ja,…auch wenn ihr mich als so freundlich erlebt, das bin ich nicht immer. Wenn mir alles zu viel wird, kann ich ganz schrecklich ausrasten, auch wenn ich das überhaupt nicht will. Darüber bin ich oft sehr unglücklich.“

„Heißt das, dass der Tiger dann jagt?“

„Das könnte man fast so sehen, nur dass der Tiger davon lebt, er braucht es, ich nicht! …Oder vielleicht doch? …Jedenfalls wird er davon satt, …ich will davon nicht satt werden!“

„Es scheint so, als ob diese Tigerenergie nun mal in dir ist. Wie soll das denn nun gehen mit ihr?“

„…na ja, schließlich ist der Tiger ein Tier, er folgt seinen Trieben und Instinkten um zu überleben. Wenn er satt werden will, muss er töten. Danach hat er kein schlechtes Gewissen! Wenn ich ausgerastet bin, wenn ich Mann und Kinder verletzt habe, tut es mir leid und ich leide unter der dadurch entstandenen Entfernung in der Beziehung. Als Mensch habe ich die Möglichkeit dieser Wahrnehmung und ich habe die Möglichkeit, es –vielleicht anders zu machen. Dieses anders müsste in dem Augenblick einsetzen, in dem der Tiger zu jagen beginnt, sozusagen zum Sprint ansetzt. Ich glaube, das ist der Augenblick, in dem ich es nicht mehr so will. Hier soll es nicht mehr mit mir durchgehen!“

„Da ist aber viel Energie in dir, was passiert denn mit der?“

„Das stimmt, weiß ich auch nicht. Wäre eigentlich schade um sie. …Da fällt mir aber etwas ein. In der letzten Zeit bin ich mehr gelaufen als früher, es tut mir gut. Vor allem, wenn ich mal wieder so wütend bin auf irgendetwas oder auf irgendjemanden. Ich laufe also auch! Wenn ich dann wieder zu Hause bin geht es mir besser, die Notwendigkeit des Ausrastens ist vergangen und ich kann gelassen über das Sprechen, was nötig ist. Das scheint für mich eine Möglichkeit zu sein, als Mensch an dieser Stelle anders zu reagieren als der Tiger, wunderbar!“

 

Dies ist einer von vielen Träumen, die Menschen in Traumgruppen erzählt haben. In der Traumarbeit suchen wir nach Antworten auf Fragen, die wir an unsere Träume haben.

Viele Menschen haben an diesem Buch mitgearbeitet, sie haben ihre Erfahrungen mit eigenen Träumen aufgeschrieben um deutlich zu machen, welche Möglichkeiten in der Traumarbeit  stecken.

Das Buch ist gedacht für Menschen, die sich für ihre eigenen Träume interessieren.